Orgel

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CANTANTIBVS ORGANIS
ALMAE TRINITATI
EXSVLTATE
ET LAETO EX CORDE
CANTATE
 


"Der hohen Dreifaltigkeit jubelt mit der klingenden Orgel und singt aus freudigem Herzen" könnte das Chronogramm frei übersetzt werden, das auf die Restaurierung der historischen Orgel von 1736 im Jahre 1985 verweist. Doch die Geschichte der Orgel geht noch um 200 Jahre vor die Erbauungszeit der Blaszewitz-Orgel zurück.
Die erste Nachricht über den Bau einer Orgel im Neukloster stammt aus der Zeit des Abtes Gregorius (1525-1538), der dem figuralen Gesang sehr zugetan war und trotz großer Bedrängnisse um 1537 eine Orgel "organum chorale" "aufsetzen" ließ. Um 1560 ist ein Organist nachweisbar. Eine größere Arbeit an der Orgel wird 100 Jahr später unter Abt Johannes Pettard (1622-1640) gemeldet. Dabei wurde die Orgel möglicherweise auf die Westempore übertragen, um der Musizierpraxis entsprechen zu können. Wieder 100 Jahre später schloß Abt Benedikt Hell (1729-1746) einen Vertrag mit dem aus Litauen gebürtigen und in Wiener Neustadt ansäßigen Orgelbauer Johann Blaszewitz. Er sollte die Orgel um ein in die Brüstung eingebautes Positiv und um neun neue Register erweitern, wobei die Register der bestehenden Orgel namentlich aufgeführt wurden, da sie in der neuen mitverwendet werden sollten.

 

Manual:   Pedal:  
Copula Major 8' Holz, gedeckt Subbaß 16' Holz, gedeckt
Principal 4' Zinn, Prospekt Octava 8' Holz, offen
Fletten Minor 4' Holz, offen Super Octav 4' Holz, offen
Klein Flötten 4'  gedeckt, Zinn/Holz    
Octave 2' Zinn                                 
Quinta 1 1/2' Zinn    
Mixtura 2fach Zinn    


Die Orgel war im "Cornetton" gestimmt. Blaszewitz mußte die Pfeifen um einen Halbton zurücksetzen, da diese Stimmung zu hoch war (ca. um eine Terz höher, als unsere heutige Stimmtonhöhe). Er erreichte so die "hohe Kirchenstimmung", die sich bis 1930 erhalten hat und immer noch über der heutigen Stimmtonhöhe lag. Um der damaligen Musizierpraxis zu entsprechen, erhielt die Orgel einen freistehenden Spieltisch mit Manualschiebekoppel, dessen Klaviaturen eine "gebrochene" tiefe Oktave aufwies, also je eine gebrochene Taste für D/FIS und E/GIS. Der damaligen Praxis entsprechend stellte Johann Blaszewitz 1736 lediglich das Orgelwerk her, während die "Fassung" und der Schmuck des Gehäuses durch Andreas Schellauf 1737 erfolgte.

 


 



Wieder 100 Jahre später (1834) wurde das Instrument beim großen Stadtbrand durch den brennenden Dachstuhl der Kirche schwer beschädigt. Der Wiener Orgelbauer Stephan Hechinger ersetzte 1835 die verbrannten Blasbälge und reparierte die durch Wasser entstandenen Schäden an Windladen und Pfeifen. Weitere 100 Jahre (1929/30) später erfolgte schließlich der größte Eingriff in das bestehende Orgelwerk: Die Firma Dreher in Salzburg baute um das alte Hauptwerk zwei weitere Manualwerke, räumte das Brüstungspositiv aus und vergrößerte das Pedalwerk. Außerdem erhielt die Orgel anstatt der teils schwergängigen Schleifladen "moderne" Kegelladen, die vom Spieltisch aus elektrisch angesteuert wurden.

 


 


Sie erhielt damit folgende Disposition:

 

1. Manual: 2. Manual: 3. Manual: Pedal:
Bourdon 16' Prinzipal 8' Hornprinzipal 8' Posaune 16'
Großprinzipal 8' Koppel 8' Hohlflöte 8' Prinzipalbaß 16'
Gemshorn 8' Quintatön 8' Aeoline 8' Subbaß 16'
Dulcian 8' Salicional 8' Vox coelestis 8' Bourdonbaß 16'
Oktav 4' Oktav 4' Praestant 4' Oktavbaß 8'
Rohrflöte 4' Flöte 4' Waldflöte 4' Flötenbaß 8'
Rauschquinte 2fach Quinte 2 2/3' Sesquialter 2fach Quintbaß 10 2/3'
Mixtur 4fach Superoctav 2' Flageolett 2' Choralbaß 4'
Clairon 4' Octavino 1' Mixtur 3fach Pedalkornett 2fach
Trompete 8' Mixtur 4fach Horn 4'  
    Englischhorn 8'  


Koppeln: I-Ped, II-Ped, III-Ped, II-I, III-I, III-II, Superoktavkoppel III-I, Superoktavkoppel III

Mit diesen Maßnahmen glaubte man, entsprechend dem Orgelideal dieser Zeit, die Orgel zu "verbessern". Wie sich aber herausgestellt hat, war der technische Fortschritt in Wirklichkeit ein "Rückschritt": An die Stelle der individuell gefertigten Orgel trat die fabriksmäßig hergestellte "Massenorgel", welche zwar manche Bequemlichkeiten und auch die Möglichkeit der Realisierung einer größeren Orgelliteratur für den Organisten brachte, dafür aber den Klang der alten Orgel trotz Übernahme der Pfeifen zerstörte.

Aufgrund der Verschleißanfälligkeit der elektrischen Teile war der Spieltisch bald verbraucht, 1970 wurde er durch den freigewordenen Spieltisch der Orgel in Feldbach ersetzt. Im Zuge dieser Maßnahme wurde die gesamte Orgel überholt, wobei auch einige geringfügige Änderungen in der Disposition erfolgten: Dulcian 8' im 1. Manual wurde eliminiert, statt der Rauschquinte wurden eine Quinte 2 2/3' und ein Prinzipal 2' eingebaut. Ebenso wurden im Pedal Quintbaß 10 2/3' und Pedalkornett gegen eine Flöte 4' und ein Prinzipal 2' getauscht, die Posaune 16' wurde durch eine Fagott 16' ersetzt. Zwei zusätzliche Koppeln (Superoktavkoppel II-I und Suboktavkoppel III-I) komplettierten die Änderungen.

Dies bedeutete aber nur eine kurzfristige Besserung. Bereits 1981 mußte festgestellt werden, daß eine Sanierung aus wirtschaftlichen wie musikalischen Gründen nicht mehr in Frage kommt. Nach eingehenden Beratungen entschloß sich deshalb die Pfarre, aufgrund noch vorhandener wesentlicher Teile der alten Blaszewitz-Orgel (großer Teil des Pfeifenmaterials, Hauptwerks- und Pedalwindlade, Manualklaviaturen, Vertrag von 1736 mit genauer Beschreibung der Orgel) zum Versuch einer Rekonstruktion des alten Werkes. Der Auftrag wurde an Helmut Allgäuer (Grünbach) erteilt, der mit den Arbeiten noch Ende des Jahres 1983 begann, welche 1985 abgeschlossen werden konnten. Dabei wurden die Zubauten von 1930 entfernt, der alte Spieltisch rekonstruiert, die Positivwindlade entsprechend der vorhandenen Hauptwerkslade neu gebaut, ebenso die gesamte Spiel- und Registertraktur. Damit erhielt die Orgel wieder ihre ursprüngliche Disposition (mit Ausnahme des Positivs, wo der Originalvertrag lediglich 4 Register aufweist, Gehäusespuren aber eindeutig auf ein fünftes Register hinwiesen) von 1736:

 

HauptwerK. Positiv: Pedal:
Principal 8' Copula Major 8' Subbaß 16'
Flötten 8' Copula Minor 4' Octavbaß 8'
Copula 8' Principal 2' Quinta 6'
Quintadena 8' Quinta 1 1/2' Super-Octav 4'
Salicional 8' Cimbel 3fach  
Octav 4'    
Dulciana 4'    
Quinta 3'    
Super-Octav 2'    
Mixtur 6fach    


Manualschiebekoppel
Mechanische Spiel- und Registertraktur, Schleifladen
Restaurierung: Helmut Allgäuer (Orgelwerk), Prof. Michael Pfaffenbichler (Fassung des Gehäuses)

Am 7. September 1985 fand die feierliche Orgelweihe durch Abt Gerhard Hradil von Stift Heiligenkreuz im Rahmen eines Hochamtes statt, bei dem der Stifts-Chor die Missa solemnis von Wolfgang Amadeus Mozart sang. Möge das Instrument noch lange seinen Dienst in Gottesdienst und Konzert erfüllen, "zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gläubigen"!

Walter Sengstschmid

 


 

Musik und Kunst

Kirchliche Feiern

Zu TAUFE
 

Mit der Taufe beginnt unser Christsein, die Verbindung mit Jesus und der Kirche.

Zu ERSTKOMMUNION
 

In der Hl. Kommunion empfangen wir den Leib des Herrn, sein ewiges Leben.

Zu FIRMUNG
 

In der Firmung werden wir mit dem Hl. Geist gesalbt. Er stärkt uns, als Christen zu leben.

Zu HOCHZEIT
 

“Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!” (Joh 10,10) Die Liebenden machen Gottes Liebe sichtbar.

Zu TRAUERFALL
 

Große Hoffnung ist uns geschenkt. Jedem gilt die Zusage: Jesus hat den Tod besiegt. Er ist auferstanden!