Die Kirche

Bis zur Errichtung des barocken Hochaltares konnte man zum Chorabschluß sehen, wo in der Apsis der dreiteilige gotische Marienaltar stand. Friedrich machte ihn 1447 zum Geschenk. Er wurde 1884 an das Wiener Domkapitel verkauft und steht in der Nähe seines Stifters im Stephansdom in Wien. In diesem Abschluß befindet sich auch das Grabmal der Kaiserin Eleonore, der Gattin Friedrich III., und seiner drei Kinder Christof, Helene und Johannes.

Während bei den Kindern einfache Grabtafeln sind, hat man zur Ausstattung des Grabmales für die Kaiserin aus Straßburg den Steinmetzmeister Gerhart von Leyden geholt. Das rotmarmorene Hochgrab zeigt die jugendliche Kaiserin – sie starb im Alter von 30 Jahren – im Krönungsornat in Lebensgröße auf einem Kissen liegend mit Zepter und Reichsapfel. 1699 wurde der Hochaltar fertiggestellt, der ein Anfangswerk der Barockausstattung des Abtes Alexander Standharter (1683-1707) ist. Man spricht von einer Synthese von Renaissance, Gotik und Barock.

Den Altar, der im Aufbau dem renaissancen Baustil folgt, hat der Laienbruder Jakob Lindner geschaffen. Die Statuen stammen vom Wiener Neustädter Barockschnitzer Andreas Schellauf. Das Altarblatt, welches die Himmelfahrt Mariens darstellt, stammt vom Maler Anton Schoonjans, einem Enkel Rubens. Der Altar reicht bis an die Decke des Chores. Biblische Gestalten sowie die Heiligen Benedikt und Bernhard umrahmen das Altarbild. Links neben dem Hochaltar befindet sich die Sakristei, welche auf Abt Benedikt Hell 1730 zurückgeht. Drei hohe Wandschränke mit reichlich Renaissance-Intarsien versehen, haben Medaillone mit Dreifaltigkeit, Geburt und Auferstehung des Herrn. Ein Marmortaufbecken aus der gleichen Zeit, angefertigt von einem Eisenstädter Steinmetz, steht in der Mitte des Chores. Das vor dem Hauptaltar befindliche Chorgestühl stammt aus dem frühen 17. Jh. und ist ein Werk der Spätrenaissance mit aufgelegten Schnitzereien. Es wurde bei Aufstellung des Hochaltares verkürzt. In der Mitte des Presbyteriums ist das Grab des 1550 verstorbenen spanischen Literaten Cristobal de Castillejo. Am Beginn des Mittelschiffes, links und rechts des heutigen Volksaltares, sind die beschrifteten Steinplatten der darunter begrabenen Äbte (Prälatengruft) und Wohltäter. Im Mittelteil befindet sich die Kanzel (1699), am Dach einen Blütenkelch mit dem hl. Bernhard – als „honigtriefenden Lehrer.“

An der linken und rechten Kirchenwand stehen je drei Seitenaltäre, ebenfalls aus der Barockzeit, die in ihrer Gesamtheit aufeinander abgestimmt sind, und zwar links vorne beginnend: Bernhard- oder Herz Jesu-Altar aus bunter Marmorimitation (1743). Das Altarblatt kopierte der Wiener Maler Josef Oblasser nach Altomontes Bild aus der Heiligenkreuzerhof-Kapelle in Wien. Es stellt die Marienvision des hl. Bernhard dar. Seitwärts stehen die Kirchenväter Augustinus und Ambrosius ein Werk des Bildhauers Johann Wagner 1743. Das Jesusbild malte Josef Kotzler aus Wien. Links an der Mauer eine Gedenktafel für Abt Alberich Stingel von Josef Pisani, 1801. Dann der Josef- oder Krippenaltar (1741). Altarbild von Francesco Solimena, einem Neapolitaner, welches die heilige Sippe darstellte. Links und rechts die Statuen der Landespatrone Leopold und Florian. Solimena war der Hausmaler Prinz Eugens. Danach der St. Sebastian Altar auch zu Ehren der hl. Pestparone (1748), Altarbild Marter des hl. Sebastian von Michelangelo Unterberger. Am Altartisch Grotte der hl. Rosalia und zu beiden Seiten die Pestheiligen Borromäus und Rochus.

Rechts vorne: St. Benedikt oder Marienaltar (1737) von Martino Altomonte. Er zeigt die drei Gründerväter der Zisterzienser in einer ikonografischen Figuration. Rechts der hl Robert beim Auszug von Molesme, links der hl. Alberich (2. Abt), der von der Gottesmutter die weiße Kukulle empfängt, in der Mitte der hl. Stephan, der ein Buch – wohl die Charta Charitatis – in der Hand hält. Der hl. Benedikt hält seine Ordensregel in der Hand, die auch für die Zisternzienser ihre Gültigkeit hat. Am Altar eine Kopie der schwarzen Madonna von Czentstochau, aus dem Paulinerkloster, wo Maria Theresia bei ihrem Aufenthalt in Wiener Neustadt gebetet haben soll. Rechts an der Mauer Gedenktafel für den erschossenen P. Prior Alberich Rabensteiner. Darüber eine Danksagung an Abt Anton Wohlfahrt (1801-1836). Rechts neben dem Ausgang zum Kreuzgang Grabtafel des Hoffräulein der Kaiserin Eleonore, Beatrix Lopi, die bereits 1453 starb. Dann der Schutzengel- oder Annenaltar (1740), Altarbild von Martino Altomonte. Auslegung in der Barockzeit: Sieg des Geistes über das Fleisch, dann Sieg des Christentum über das Heidentum. Danach der Johannes Nepomuk Altar (1748) Altarbild von Paul Troger mit hl. Johannes von Nepomuk. Im Glasschrank das gnadenreiche Prager Jesukind vom Karmeliterorden, 1886. Als westlicher Abschluß befindet sich über dem Haupteingang der Chor. 1736 baute man eine barocke Orgel, die hölzerne Chorbrüstung wurde 1750 vorgezogen. In der Hallenkirche sind zu beiden Seiten Grabmalplatten von verstorbenen Wohltätern, die hier bestattet sind.

 Grabmal der Kaiserin Eleonore

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Hochaltar

Für gewöhnlich betrachtet man ein Bild von links nach rechts. Hier aber wird der Blick von der rechten unteren Ecke in einem dynamischen Zug in die Höhe geführt, in den Bereich Gottes. Der Arm der Frau weist die Richtung, die Wolke verbindet den dunkel gehaltenen unteren Bereich (irdisch) mit dem goldenen Licht des oberen Bereichs (himmlisch). Maria wird von den Engeln in den göttlichen Bereich emporgehoben und von der Dreifaltigkeit empfangen.

Seit dem 5. Jhd., längst bevor das Dogma um 1950 die Vollendung Marias verkündet hat, war es die Gewissheit unzähliger Glaubender, dass sich in Maria auch unsere Zukunft offenbart. Gegen alle Düsterkeit der Welt, gegen alle Trostlosigkeit auf Erden steht uns Maria vor Augen als Zeichen unserer Zukunft.

Die Macht des lebendigen Gottes hat Maria ergriffen und wider alle menschlichen Mächte, erfährt sie die Gnadenführung Gottes. Maria ist aber nicht losgelöst von unserer Welt, sie steht mit unserer Welt weiterhin in Verbindung

Es gibt aber noch eine andere Seite, die wir in Maria erkennen können. Das leibliche Leben ist nicht reduzierbar auf Fleisch und Knochen, der Mensch nicht reduzierbar bloß auf seine irdische Existenz. Maria, als Bild des erlösten Menschen, ist bei Gott angelangt und ist dadurch Trost für unser Leben: wir steigen nicht am Ende unseres Lebensweges in eine Unterwelt hinab oder gehen in eine nebulöse Überwelt über den Wolken. Wir sind zu einem Leben bestimmt, das uns Maria offenbart. Am Ziel sein, bei Gott sein, in der Ewigkeit sein – das ist unser Ziel. Das ist die Himmelfahrt Marias. Auf unserem Bild wird Maria nicht als Seele, sondern als Mensch zu Gott erhoben. Und das ist auch unser Weg. Wir gehen ein in die Gemeinschaft der Erlösten, nicht bloß als Seele sondern als Mensch. Und wir nehmen das mit, was wir uns im Verlauf unseres Lebens zu eigen gemacht haben. Und vielleicht bemerken wir dann, dass manches nicht besonders gut und wertvoll war, dass manches sozusagen nicht in den Himmel passt. Aber dann dürfen wir vertrauen, dass wir nicht auf Grund unserer Leistungen in die Vollendung aufgenommen werden, sozusagen als Belohnung, sondern wir dürfen vertrauen, dass Gott, der die Mutter seines Sohnes in die Vollendung aufgenommen hat, auch uns hineinnehmen wird aus seiner übergroßen und rettenden Barmherzigkeit in seine Vollendung. Dafür ist Christus Garant und Maria, als Erstvollendete, die für uns bitten möge, gleichsam die Offenbarung eines Gottes, der uns aus dieser Welt in die Vollendung seines Heiles retten möge. Das verkündet die Botschaft des Hochaltarbildes unserer Neuklosterkirche.

Ihr P. Johannes Vrbecky OCist, Altprior

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Hl. Leopold

Da steht er in seiner goldenen Pracht auf der linken Seite unseres Familienaltars. Seine Biographie in Kürze: Geboren 1098 auf der Burg Gars im Kamptal. Erzieher: Bischof Altmann von Passau (musste während des Investiturstreites seinen Sitz auf österr. Boden nehmen). Belehnung durch Kaiser Heinrich IV mit der Mark Österreich. Leopold war damals ungefähr 20 Jahre alt. Früh verheiratet war er bald Witwer. 2. Frau Agnes, Tochter Heinrich IV. Mit ihr hatte er 18 Kinder. Gestorben am 15. November 1136.

In dieser damals so turbulenten Zeit des Investiturstreites konnte Leopold sein Land in Frieden bewahren und zu einem selbständigen Land innerhalb des römisch – deutschen Reiches formen. Im Investiturstreit, dem Machtkampf zwischen Papst und Kaiser, wer Bischöfe ernennen und einsetzten darf, verwirklichte Leopold eine Politik des Ausgleichs und hielt sich aus dem Konflikt heraus. Seine 2. Gattin Agnes, eine Tochter Heinrich IV, brachte Ansehen und Vermögen in die Ehe mit. Mit Leopold hatte sie 18 Kinder, darunter Otto, später Bischof von Freising, Initiator für die Gründung des Stiftes Heiligenkreuz, Konrad, später Bischof von Salzburg und Heinrich II Jasomirgott, der erste, zum Herzog erhobene Landesherr von Österreich. Die Königswürde lehnte Leopold ab und sicherte damit wahrscheinlich den Frieden seines Landes. Schon zu seinen Lebzeiten wurde Leopold verehrt. 1485 wurde er auf Betreiben Kaiser Friedrichs heilig gesprochen. Gründe dafür: Seine tiefe Religiosität und sein segensreiches Wirken für sein Österreich.

Die Klöster Heiligenkreuz, Kleinmariazell, die Umwandlung von Klosterneuburg von einem Kollegiatsstift in ein Chorherrenstift, gehen auf ihn zurück. Außerdem gab er großzügige Schenkungen an andere Klöster. Die Klöster als Kultur- und Sozialzentren, als religiöse Stützpunkte, formten unser Land zum „Klösterreich“. Es ist sein Erbe das uns übertragen worden ist, unser Land durch den christlichen Glauben zu prägen. Und das ist nicht Vergangenheit. Wieviel ist es uns wert dieses Erbe zu erhalten?

Ihr P. Johannes Vrbecky OCist, Altprior

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Die Marienikone

Vor ungefähr 250 Jahren bekam das Neukloster vom benachbarten aufgehobenen Paulinerkoster diese prachtvolle Ikone. Es ist die Ikone der Gottesmutter von Tschenstochau und befindet sich, fast etwas unscheinbar plaziert, am Altar der Ordensväter im rechten Seitenschiff. Jede Ikone wird nach einem Vorbild gemalt und diese gemalte Ikone muß dem Urbild gleichen, damit die ursprüngliche Botschaft des Glaubens erhalten bleibt. Jede Ikone ist also ein Original, auch wenn sie ein Abbild darstellt.

Nur sehr gut ausgebildete und gläubige Maler, meistens Mönche, dürfen Ikonen malen. Das Fertigen einer Ikone geschieht nach exakten Regeln, angefangen von der Bearbeitung des Holzes bis zum Aufbau der Bilder. Jede Farbe trägt eine Symbolik in sich, jeder Gestus bedeutet etwas. Bei jedem Arbeitsgang werden bestimmte Gebete gesprochen. Dadurch wird das Heilsgeschehen für unser Leben erfahrbar gemacht. Bild und Person fließen ineinander. Die Ikone wird also nicht nach ästhetischen Gesichtspunkten gefertigt, sie ist ein Fenster, durch das uns die unsichtbare Wirklichkeit begegnet. In der Ikone ist das Heilsgeschehen präsent und verkündet uns seine Botschaft. Nehmen Sie sich bitte einmal etwas Zeit und lassen Sie diese Ikone auf sich wirken. Maria sieht Sie an und präsentiert Ihnen ihren Sohn. Sie zeigt auf Jesus hin, der in der Hand die Bibel hält. Seine erhobenen Finger weisen ihn als Lehrer aus, der die Botschaft verkündet. Der blaue Mantel mit Sternen – Maria als Himmelskönigin. Blau als Farbe der Reinheit, der Unberührtheit. Die rote Innenseite des Mantels: Rot als Farbe des Lebens, des Blutes, des Schützens (Zeltpfosten beim Auszug aus Ägypten mit Blut bestrichen – dämonenabwehrend) Das violette Kleid: Bild für Leid und Schmerz. (Die Engelsköpfe sind erst später dazugekommen) Der Typus dieser Ikone wird genannt: Maria die Wegweiserin. Auf diesem Bild ist sie nicht die Beschützende. Maria stellt auf diesem Bild Jesus dem Betrachtenden vor. Er lehrt und weist den Weg des Heiles. Sie weist auf ihn hin. Eigentlich steht Jesus im Mittelpunkt des Bildes. Wir erfahren hier die Gottesmutter in ihrer wahren Bedeutung: Hinweisend auf Jesus lebt sie für ihn und stellt ihn uns vor als Lehrer und Heiland. Im Segensgebet der Ikone werden drei Schwerpunkte ausgedrückt und als Anliegen formuliert: Durch die Verehrung einer Ikone und durch das Gebet vor ihr soll der Mensch Kraft gegen das Böse erlangen, Heilung der Seele und des Leibes und den Trost des Heiligen Geistes erfahren. Ich wünsche Ihnen herzlich, daß Sie durch diese wunderschöne Ikone unseren Glauben tiefer erfassen können und auf dem Weg des Heiles bleiben.

Ihr P. Johannes Vrbecky OCist, Altprior

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Der Schutzengelaltar

Sie tragen lange weiße Kleider, haben lange, blonde Haare, haben Flügel – aber eigentlich kann man sie nicht direkt sehen. Gemeint sind die Engel. Der Schutzengelaltar drückt aber sehr viel über das aus, was wir „Engel“ nennen. Zwei gewaltige Engelsfiguren stehen auf den Sockeln neben dem Bild: Gabriel, der Engel, der den Beginn des Heilswerkes ankündigt, und Michael, der die Vollendung ausdrückt. Zu seinen Füßen der besiegte Drache. (Fest der Hll. Erzengel Michael, Gabriel und Raphael am 29. September). Über dem Bild: Maria, als Königin der Engel.

Das Bild selber: stellt einen Engel dar, der ein Kind in den Himmel trägt. Das rotblaue Gewand erweist ihn als Boten im Auftrag Gottes: Blau als Farbe des Himmels, Rot als Königsfarbe. Der Engel entrückt das Kind aus der Macht des Teufels. Dieser schaut etwas verlegen und hilflos drein. Ein kleiner Engel droht ihm mit einem Blitzbündel, ein anderer spottet ihn aus. Aber es gibt keinen Kampf. Die rettende und souveräne Macht des Engels wird deutlich. Auf der rechten Seite des Bildes: Ein Engel mit gelöster Kette und mit Hinweisen auf irdische Elemente: der blinde Amor, eine Frau mit Blumen, Schwert, Perlen und Geld sowie eine Krone. Es ist die Nichtigkeit irdischer Elemente, die hier dargestellt wird. (Schutzengelfest am 2. Oktober).

Es wäre aber schade, wenn man den „Engel“ nur auf Bildern darstellen würde, die man nicht ganz ernst nimmt. Der Engel ist ein fester Bestandteil der Bibel und kann nicht bloß symbolisiert werden. Im Alten Testament offenbart der Engel die sichtbare Nähe eines unsichtbaren Gottes, eines rettenden Gottes. Im Neuen Testament ist der Engel untrennbar mit dem Heilswerk Christi verbunden: Engel als Verkünder der Frohbotschaft, sie stärken Jesus, ein Engel befreit den Petrus usw. Wie können wir heute einen Zugang zum Engel finden? Die Fragen: „Gibt es Engel?“ oder „Haben sie schon einen Engel gesehen?“ führen zu nichts. Wir kommen aber dem Problem näher, wenn wir fragen: „Ist dir Gott schon einmal so nahe gekommen, dass du ihn in einem Menschenwort gehört hast, dass du Gottes Hilfe erfahren hast?“ – Wenn die Bibel von Engeln spricht, ist vor allem die Botschaft das entscheidende, nicht die bloße Existenz. Denn mit der Erfüllung der Botschaft verschwindet der Engel wieder. Die Vorstellung des Engels im langen Gewand entspricht der damaligen Form der Kleidung. Aber gerade dadurch, so zeigt die Bibel oft, wird der Engel erst im Nachhinein erkannt. Engel lassen sich nicht festlegen. Sie weisen hin auf die Grenzen unseres Denkens und Handelns. Engel sind auch nicht Garantie einer Unfallverhütung. Ein Engel ist aber angesichts der Rätselhaftigkeit eines Unheils gemäßer als ein Stofftier oder ein Maskottchen: denn auch im Unheil ist Gott bei mir. Die Bilder und Geschichten von Engeln in der Bibel fordern uns auf, bereit zu sein für Gottes Botschaften. Wie und durch wen sie kommen, das müssen wir Gott selber überlassen.

Ihr P. Johannes Vrbecky OCist, Altprior

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Der Kapitelsaal

 Der Kapitelsaal ist eine große regulare Räumlichkeit und ein für eine Kloster- oder Klerikergemeinschaft bestimmter Gebäudeanteil. Er wurde 1767 erbaut und liegt fast immer im Ostflügel und hat meistens ein quadratisches Ausmaß Zwei Fenster an der Stirnseite haben in der Mitte den Sitz des Vorstehers und dahinter den Altar. Entlang der Wände sind die Sitze für die Kommunität. In diesem Saal fanden die Regellesungen, die Beratungen über gemeinschaftliche Angelegenheiten und vor allem die Abtwahl statt. Seit dem 10. Jh. war er ein fester Bestandteil des Klosters. Die Decke ist eine Freskendarstellung des hl. Benedikt in der Glorie mit seinem Regelbuch – gemalt von Meister Bergl. Da in diesem Saal Entscheidungen über das Ordensleben getroffen wurden, hat der Sinnspruch oberhalb der Türe die Aussage: „Bedenke Deinen zukünftigen Abschnitt im Tode vor Gott.

Im Mittelalter hatten Äbte, Bischöfe, Landesherren und Stifter auch im Kapitelsaal das Begräbnisrecht. Der erste Abt des Neuklosters, Heinrich Strenberger, wurde hier bestattet und erst 1984 in der Apsis unter einer Steinplatte neuerlich beigesetzt. Auch der Stifter, Friedrich IV., hatte einmal geplant, seine Grabstätte im Neukloster errichten zu lassen. Da sie aber zu monumental ausfiel, wurde sie nach Wien in den Stephansdom verlegt. Zur Zeit wird der Kapitelsaal als Hauskapelle benützt.

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Das Refektorium

Das Refektorium (refectio = Erfrischung, Erholung) diente wie schon der Name sagt, als Erholungs- und Speiseraum für die Klostergemeinschaft. Es war und ist ein unverzichtbarer Regularraum. Er ist schon in der Regel des hl. Benedikt enthalten und sie schrieb auch dem Stifter Friedrich IV. dies als gegeben vor. Sie ist meistens rechteckig gehalten. Lange Tische dienten als Sitzgelegenheit für die Konventualen (die Laien hatten ein eigenes Refektorium). An der Stirnseite saßen die Oberen der Gemeinschaft. Seit dem 14. Jh. ist an der Stirnwand nach Norden das letzte Abendmahl dargestellt, um damit die Mönche zur Mahlzeit (Tischgemeinschaft) einzuladen.

An den Pfeilern sind Medaillons, die Szenen aus dem alten Testamnt und aus dem Leben des hl Bernhard darstellen. Hier muß gleich erwähnt werden, daß die Freskenmalerei durch jahrelange Einwirkung von Rauch und Küchendunst Schaden davon getragen hat. Noch dazu kamen im vorigen Jahrhundert unsachgemäße Restaurierungen, so daß die Darstellungen nur schwer zu identifizieren sind. Lediglich der Restaurator Dr. Walliser kannte 1952 noch retten, was zu retten war. (Nachtrag: von den Restaurierungen für die Landesausstelung 2019 hat auch dieses Fresko profitieren dürfen und auf den Medaillons ist die Darstellung nun wieder erkenntlich.)

An der Decke die Glorie des Kreuzes, dann die Trinität und Maria auf der Mondsichel. Vor ihr kniet der hl. Bernhard, der von der Brust Marias den Milchstrahl empfängt – die Lactatio. Alles was er predigt, empfängt er von Maria. Links seitwärts: Sturz der feindlichen Mächte – es stellt Abaelard dar, den Bernhard wegen seiner Ratio bekämpfte. Weiters ein Spannungsbogen vom AT durch eine Schlange zum NT – eine Symbolik der Verbindung.

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Der Kreuzgang

Der Kreuzgang befindet sich im zweiten Hof des Klosters anschließend an die Südwand der Kirche Diese rechteckige Anlage galt und gilt heute noch als der lebendige Mittelpunkt des klösterlichen Lebens. Er ist eine Oase der Stille und der Besinnung. In manchen Klöstern sind heute noch Sitzgruppen, wo sich Mönche in ihrer arbeitsfreien Zeit der Lesung und dem Studium hingeben.

Von diesem Kreuzgang gelangt man zu den wichtigsten Räumlichkeiten des Klosters. So zur Kirche (wie gesagt an der Südwand), zur Sakristei, zum Kapitelsaal, zum Refektorium (fast immer im Osten gelegen) und durch prachtvolle, barocke, schmiedeeiserne Gittertore zur Klausur und zur Bibliothek im ersten und zweiten Stockwerk gelegen.

Die gesamte Anlage wurde nach 1730 vom Wiener Baumeister Gerl errichtet, während die Gitter erst 1773 angefertigt wurden. In der östlichen Seite des Kreuzganggarten ist der Renaissancebrunnen aus dem 16. Jh. Steinunterbau, schmiedeisernes Gehäuse aus einer Vase, Verzierungen mit Blüten, Tieren und menschlichen Figuren mit ausgearbeiteten Stengel. Ringsherum einen Blütenkranz, alles in meisterlicher Ausführung. An der Spitze sind Wetterfahne und Doppeladler. Der Brunnen zählt für seine Zeit zu den besten seiner Art. Er stand früher im ersten Hof und diente den Mönchen und Laien zur Waschpflege nach der Feldarbeit.

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Orgel

CANTANTIBVS ORGANIS
ALMAE TRINITATI
EXSVLTATE
ET LAETO EX CORDE
CANTATE

„Der hohen Dreifaltigkeit jubelt mit der klingenden Orgel und singt aus freudigem Herzen“

könnte das Chronogramm frei übersetzt werden, das auf die Restaurierung der historischen Orgel von 1736 im Jahre 1985 verweist. Doch die Geschichte der Orgel geht noch um 200 Jahre vor die Erbauungszeit der Blaszewitz-Orgel zurück.


Die erste Nachricht über den Bau einer Orgel im Neukloster stammt aus der Zeit des Abtes Gregorius (1525-1538), der dem figuralen Gesang sehr zugetan war und trotz großer Bedrängnisse um 1537 eine Orgel „organum chorale“ „aufsetzen“ ließ. Um 1560 ist ein Organist nachweisbar. Eine größere Arbeit an der Orgel wird 100 Jahr später unter Abt Johannes Pettard (1622-1640) gemeldet. Dabei wurde die Orgel möglicherweise auf die Westempore übertragen, um der Musizierpraxis entsprechen zu können. Wieder 100 Jahre später schloß Abt Benedikt Hell (1729-1746) einen Vertrag mit dem aus Litauen gebürtigen und in Wiener Neustadt ansäßigen Orgelbauer Johann Blaszewitz. Er sollte die Orgel um ein in die Brüstung eingebautes Positiv und um neun neue Register erweitern, wobei die Register der bestehenden Orgel namentlich aufgeführt wurden, da sie in der neuen mitverwendet werden sollten.

Manual: Pedal: 
Copula Major 8′Holz, gedecktSubbaß 16′Holz, gedeckt
Principal 4′Zinn, ProspektOctava 8′Holz, offen
Fletten Minor 4′Holz, offenSuper Octav 4′Holz, offen
Klein Flötten 4′  gedeckt, Zinn/Holz  
Octave 2′Zinn                                
Quinta 1 1/2′Zinn  
Mixtura 2fachZinn  

Die Orgel war im „Cornetton“ gestimmt. Blaszewitz mußte die Pfeifen um einen Halbton zurücksetzen, da diese Stimmung zu hoch war (ca. um eine Terz höher, als unsere heutige Stimmtonhöhe). Er erreichte so die „hohe Kirchenstimmung“, die sich bis 1930 erhalten hat und immer noch über der heutigen Stimmtonhöhe lag. Um der damaligen Musizierpraxis zu entsprechen, erhielt die Orgel einen freistehenden Spieltisch mit Manualschiebekoppel, dessen Klaviaturen eine „gebrochene“ tiefe Oktave aufwies, also je eine gebrochene Taste für D/FIS und E/GIS. Der damaligen Praxis entsprechend stellte Johann Blaszewitz 1736 lediglich das Orgelwerk her, während die „Fassung“ und der Schmuck des Gehäuses durch Andreas Schellauf 1737 erfolgte.

Wieder 100 Jahre später (1834) wurde das Instrument beim großen Stadtbrand durch den brennenden Dachstuhl der Kirche schwer beschädigt. Der Wiener Orgelbauer Stephan Hechinger ersetzte 1835 die verbrannten Blasbälge und reparierte die durch Wasser entstandenen Schäden an Windladen und Pfeifen. Weitere 100 Jahre (1929/30) später erfolgte schließlich der größte Eingriff in das bestehende Orgelwerk: Die Firma Dreher in Salzburg baute um das alte Hauptwerk zwei weitere Manualwerke, räumte das Brüstungspositiv aus und vergrößerte das Pedalwerk. Außerdem erhielt die Orgel anstatt der teils schwergängigen Schleifladen „moderne“ Kegelladen, die vom Spieltisch aus elektrisch angesteuert wurden.

Sie erhielt damit folgende Disposition:

1. Manual:2. Manual:3. Manual:Pedal:
Bourdon 16′Prinzipal 8′Hornprinzipal 8′Posaune 16′
Großprinzipal 8′Koppel 8′Hohlflöte 8′Prinzipalbaß 16′
Gemshorn 8′Quintatön 8′Aeoline 8′Subbaß 16′
Dulcian 8′Salicional 8′Vox coelestis 8′Bourdonbaß 16′
Oktav 4′Oktav 4′Praestant 4′Oktavbaß 8′
Rohrflöte 4′Flöte 4′Waldflöte 4′Flötenbaß 8′
Rauschquinte 2fachQuinte 2 2/3′Sesquialter 2fachQuintbaß 10 2/3′
Mixtur 4fachSuperoctav 2′Flageolett 2′Choralbaß 4′
Clairon 4′Octavino 1′Mixtur 3fachPedalkornett 2fach
Trompete 8′Mixtur 4fachHorn 4′ 
  Englischhorn 8′ 

Koppeln: I-Ped, II-Ped, III-Ped, II-I, III-I, III-II, Superoktavkoppel III-I, Superoktavkoppel III

Mit diesen Maßnahmen glaubte man, entsprechend dem Orgelideal dieser Zeit, die Orgel zu „verbessern“. Wie sich aber herausgestellt hat, war der technische Fortschritt in Wirklichkeit ein „Rückschritt“: An die Stelle der individuell gefertigten Orgel trat die fabriksmäßig hergestellte „Massenorgel“, welche zwar manche Bequemlichkeiten und auch die Möglichkeit der Realisierung einer größeren Orgelliteratur für den Organisten brachte, dafür aber den Klang der alten Orgel trotz Übernahme der Pfeifen zerstörte.

Aufgrund der Verschleißanfälligkeit der elektrischen Teile war der Spieltisch bald verbraucht, 1970 wurde er durch den freigewordenen Spieltisch der Orgel in Feldbach ersetzt. Im Zuge dieser Maßnahme wurde die gesamte Orgel überholt, wobei auch einige geringfügige Änderungen in der Disposition erfolgten: Dulcian 8′ im 1. Manual wurde eliminiert, statt der Rauschquinte wurden eine Quinte 2 2/3′ und ein Prinzipal 2′ eingebaut. Ebenso wurden im Pedal Quintbaß 10 2/3′ und Pedalkornett gegen eine Flöte 4′ und ein Prinzipal 2′ getauscht, die Posaune 16′ wurde durch eine Fagott 16′ ersetzt. Zwei zusätzliche Koppeln (Superoktavkoppel II-I und Suboktavkoppel III-I) komplettierten die Änderungen.

Dies bedeutete aber nur eine kurzfristige Besserung. Bereits 1981 mußte festgestellt werden, daß eine Sanierung aus wirtschaftlichen wie musikalischen Gründen nicht mehr in Frage kommt. Nach eingehenden Beratungen entschloß sich deshalb die Pfarre, aufgrund noch vorhandener wesentlicher Teile der alten Blaszewitz-Orgel (großer Teil des Pfeifenmaterials, Hauptwerks- und Pedalwindlade, Manualklaviaturen, Vertrag von 1736 mit genauer Beschreibung der Orgel) zum Versuch einer Rekonstruktion des alten Werkes. Der Auftrag wurde an Helmut Allgäuer (Grünbach) erteilt, der mit den Arbeiten noch Ende des Jahres 1983 begann, welche 1985 abgeschlossen werden konnten. Dabei wurden die Zubauten von 1930 entfernt, der alte Spieltisch rekonstruiert, die Positivwindlade entsprechend der vorhandenen Hauptwerkslade neu gebaut, ebenso die gesamte Spiel- und Registertraktur. Damit erhielt die Orgel wieder ihre ursprüngliche Disposition (mit Ausnahme des Positivs, wo der Originalvertrag lediglich 4 Register aufweist, Gehäusespuren aber eindeutig auf ein fünftes Register hinwiesen) von 1736:

HauptwerK.Positiv:Pedal:
Principal 8′Copula Major 8′Subbaß 16′
Flötten 8′Copula Minor 4′Octavbaß 8′
Copula 8′Principal 2′Quinta 6′
Quintadena 8′Quinta 1 1/2′Super-Octav 4′
Salicional 8′Cimbel 3fach 
Octav 4′  
Dulciana 4′  
Quinta 3′  
Super-Octav 2′  
Mixtur 6fach  

Manualschiebekoppel
Mechanische Spiel- und Registertraktur, Schleifladen
Restaurierung: Helmut Allgäuer (Orgelwerk), Prof. Michael Pfaffenbichler (Fassung des Gehäuses)

Am 7. September 1985 fand die feierliche Orgelweihe durch Abt Gerhard Hradil von Stift Heiligenkreuz im Rahmen eines Hochamtes statt, bei dem der Stifts-Chor die Missa solemnis von Wolfgang Amadeus Mozart sang. Möge das Instrument noch lange seinen Dienst in Gottesdienst und Konzert erfüllen, „zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gläubigen“!

Walter Sengstschmid

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Der Bernardisaal

Der Bernardisaal wurde im Zuge der Erbauung der Prälatur im 18. Jh. errichtet. Dieser Teil des Klosters wurde im Krieg durch Bombentreffer schwer beschädigt. Der Bernardisaal war der Festsaal des Klosters und dient heute als Ort für Theateraufführungen und Konzerte. Im Jahre 1995 wurde er vollständig umgebaut und renoviert.

 

Hausgeschichte

Unsere Geschichte in Daten

1227 Dominikanerkirche und -kloster, Stiftung Leopolds VI.

1442 Erstes Bemühen König Friedrichs IV., die Zisterzienser in seiner Residenzstadt Wiener Neustadt anzusiedeln

1444 Stiftung des Neuklosters durch Friedrich IV., Einzug der Mönchskolonie aus Rein unter Abt Heinrich Strenberger

1447 Schenkung des dreiteiligen gotischen Marienaltars

1452 Kaiserkrönung Friedrichs III. und Heirat mit Eleonore von Portugal in Rom, Wohnsitz ist die Neustädter Burg

1453 Anbau der Barbara- und Kreuzkapelle, Beendigung des Umbaus der Kirche

1459 Geburt Maximilians I. in der Burg

1467 Tod Eleonores und Beisetzung in der Apsis des Neuklosters, wo auch drei Kinder des Kaiserpaares bestattet sind

1493 Tod Friedrichs III. in Linz, Grabmal im Wiener Stephansdom

1518 Tod Maximilians I., in der Burg beigesetzt

1647 Stiftung der an der Nordseite angebauten Lorettokapelle (bis 1884)

1691 Beginn der Barockisierung unter Abt Alexander Standhartner (Chorgestühl, Hochaltar, Aufbau der zerstörten Gebäude)

1704 Abschluß des Baus Gut Strelzhof

1729 Abt Benedikt Hell, Blütezeit des Neuklosters, Bau des Konventgebäudes und zahlreiche weitere Bautätigkeit

1746 Abt Joseph Stibicher (bis 1775), Abschluß der Barockisierung, Bau der Bibilothek, Klosterhof, Kapitelsaal, Refektorium

1768 schweres Erdbeben in Wiener Neustadt (u.a. schwere Schäden an der Burg)

1775 Aufenthalt Maria Theresias im Neukloster

1776 Übergabe des eines Teils des Tierparks (Neuklostergarten) durch Maria Theresia an Abt Stingl

1782 Papst Pius VI. trifft in Wiener Neustadt auf Kaiser Josef II.

1784 Neukloster wird als zweite Pfarre in Wiener Neustadt errichtet

1793 Uraufführung Mozarts Requiem im Neukloster

1797 Neukloster Residenz Erzherzog Ferdinands mit Familie und Hofstaat (bis 1803)

1804 Abt Anton Wohlfahrt (bis 1836), eröffnet das Stiftsgymnasium (jetzt BG Babenbergerring)

1805 und 1809 Besetzung von Wiener Neustadt durch Franzosen

1832 Neues Armenhaus ans Neukloster

1834 Großbrand in Wiener Neustadt

1871 Übergabe des Stiftsgymnasiums an den Staat

1881 Resignation des letzten Abtes des Neuklosters, Vereinigung des Neuklosters mit Stift Heiligenkreuz, P. Ernest Winter Prior des Neuklosters

1884 Verkauf des gotischen Marienaltars an das Domkapitel in Wien

1918 P. Alberich Rabensteiner Prior

1945 Schwere Bombenschäden an Kloster und Kirche, 2. April P. Prior Rabensteiner in der Kirche erschossen

1945 P. Wilhelm Goll Prior

1976 P. Johannes Vrbecky Prior

2011 P. Walter Ludwig Prior

2017 Eröffnung der neu renovierten Kunst- und Wunderkammer

2019 Das Neukloster ist Kooperationspartner der NÖ-Landesausstellung

2019 P. Michael Weiss Prior

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