Die Geschichte des Nagelkreuzes

Das Nagelkreuz von Coventry verbindet als Zeichen der Versöhnung zahlreiche Menschen auf der ganzen Welt. Die Geschichte des Nagelkreuzes ist dabei auch ein wichtiges Stück europäischer Geschichte. Am 14. November 1940 wurde die englische Stadt Coventry von einem Bombengeschwader der Luftabwehr des Deutsches Reiches stark zerstört. Die Operation “Mondscheinsonate” kostete fast 600 Menschenleben und zahlreiche Fabriken sowie fast 4000 Häuser wurden in Schutt und Asche gelegt.

Die mittelalterliche Kathedrale St. Michael steht heute noch als Ruine im Stadtzentrum und erinnert an diesen Tag.

Während den Aufräumarbeiten entstand das zentrale Symbol der Versöhnung. Bei der Arbeit zog Dompropst Richard Howard drei große eiserne Nägel aus dem Bombenschutt. Aus diesen Nägeln formte er das erste Nagelkreuz von Coventry das bis heute auf dem Altar in der neuen Kathedrale in Coventry steht.

Kurz darauf schrieb Richard Howard die Worte “Father forgive“ – “Vater vergib” – mit einem Stück Kohle auf die Ruine der Chorwand. Statt Rache und Hass, gelobte er nach Vergebung und Versöhnung zu streben. Als der Weihnachtsgottesdienst 1940 aus den Ruinen der Kathedrale St. Michael in ganz Großbritannien übertragen wurde, sprach Dompropst Richard Howard von Versöhnung mit den Deutschen. Er rief das britische Volk dazu auf, mit jenen, die Feinde gewesen waren, Hand in Hand zusammenzuarbeiten um eine “freundliche, Christus-ähnliche Welt zu bauen”.

Dem ersten Nagelkreuz folgten viele weitere. Das erste Nagelkreuz außerhalb Großbritanniens ist geschichtlich sehr eng mit Coventry verbunden. Während des Krieges waren britische Soldaten aus Coventry in der deutschen Stadt Kiel stationiert. Nach dem Krieg kehrten die Soldaten nach Kiel zurück und überreichten der Stadtgemeinschaft ein Nagelkreuz von Coventry. Dieser Akt der Versöhnung zwischen Kiel und Coventry begründete die Entstehung der Internationalen Nagelkreuz Gemeinschaft.  

Das gesprochene Symbol der Verbindung der Nagelkreuz Gemeinschaft ist das Versöhnungsgebet. Das Gebet wurde 1959 formuliert und wird seitdem jeden Freitag um 12 Uhr im Chorraum der Ruine der Kathedrale St. Michael und in den Nagelkreuzzentren weltweit gebetet. Auch hier im Neukloster beten wir jeden Freitag im Rahmen unseres Chorgebets zu Mittag und in der Abendmesse das Versöhnungsgebet. Wir laden Sie herzlich ein zu kommen und mit uns gemeinsam für Frieden und Versöhnung zu beten!

Das Nagelkreuz von Coventry ist ein weltweites Symbol für Frieden und Versöhnung geworden und verbindet mittlerweile mehr als 200 Nagelkreuzzentren weltweit. Davon sind ungefähr 60 Nagelkreuzzentren Schulen.

In Österreich gibt es derzeit zwei Nagelkreuzzentren. Unsere Pfarre, das Nagelkreuzzentrum Stiftspfarre Neukloster und das Nagelkreuzzentrum Mittelschule Guntramsdorf.

Für Frieden und Versöhnung zu arbeiten, heißt für die Nagelkreuzgemeinschaft:

  • Vergangenheit: WUNDEN DER GESCHICHTE HEILEN

Die VERGANGENHEIT verfolgt uns immer noch. Fast jeder der gegenwärtigen Konflikte ist tief in den Fehlern der Vergangenheit verwurzelt. Das Heilen der Wunden der Geschichte ist das wichtigste Ziel der Nagelkreuzgemeinschaft seit ihrer Entstehung.

  • Gegenwart: UNTERSCHIEDE LEBEN UND VIELFALT FEIERN

Die GEGENWART fordert uns alle. Sie verlangt von uns neue Formen des Zusammenlebens, in denen Gleichheit, Verschiedenheit und gegenseitige Abhängigkeit unser Handeln bestimmt. Es gilt Unterschiede zu leben und Vielfalt zu feiern.

  • Zukunft: EINE KULTUR DES FRIEDENS SCHAFFEN

Die ZUKUNFT können wir gestalten. Wir können unseren Jugendlichen Möglichkeiten zeigen, nach Frieden zu streben und dies in ihrem Umgang mit Menschen weiterzuverfolgen. Wir können Verbindungen knüpfen und eine Kultur des Friedens schaffen.

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Seit 2012 sind wir Teil der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft. Das Kreuz befindet sich bei uns in der Apsis hinter dem Hochaltar.

Weitere Informationen dazu finden Sie auf der deutschen und englischen Website der Nagelkreuzgemeinschaft:
nagelkreuz.org
www.coventrycathedral.org.uk/ccn/

Das Versöhnungsgebet

Jeden Freitag zu Mittag kommen Menschen in der Kathedrale von Coventry und in vielen Nagelkreuzzentren rund um die Welt zusammen, um diese Litanei gemeinsam zu beten. Die Worte:

Father forgive! – Vater vergib!

wurden nach den Bombenangriffen auf die Kathedrale von Coventry, vom damaligen Domprobst Richard Howard in die Chorwand der Ruine gemeiselt.

So beten auch wir im Neukloster jeden Freitag:

All have sinned and fallen short of the glory of God. (Romans 3,23)

The hatred which divides nation from nation, race from race, class from class, FATHER FORGIVE.

The covetous desires of people and nations to possess what is not their own, FATHER FORGIVE.

The greed which exploits the work of human hands and lays waste the earth, FATHER FORGIVE.

Our envy of welfare and happiness of others, FATHER FORGIVE.

Our indifference to the plight of imprisoned, the homeless, the refugee, FATHER FORGIVE.

The lust which dishonours the bodies of men, women and children, FATHER FORGIVE.

The pride which leads us to trust in ourselves and not in God, FATHER FORGIVE.

Be kind to one another, tender hearted, forgiving one another, as God in Christ forgave you. (Ephesians 4,32)

Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3, 23)

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse, VATER VERGIB.

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist, VATER VERGIB.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet, VATER VERGIB.

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen, VATER VERGIB.

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge, VATER VERGIB.

Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht, VATER VERGIB.

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott, VATER VERGIB.

Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4, 32)