In einer Kunst- und Wunderkammer werden unterschiedlichste Objekte gezeigt, um ein Abbild der Welt im Kleinen darzustellen. Solche Schätze waren in ganz Europa an Fürstenhöfen und in Klöstern vorhanden – so auch im Stift Neukloster.
Die Sammlung umfasst sowohl prunkvolle Kunstkammerobjekte als auch einzigartige Erinnerungsstücke an geschichtliche Ereignisse: ca. 4700 Einzelstücke, davon 1000 Kunstkammerobjekte, 200 Gemälde und 3500 Steine und Muscheln. Der Großteil der Bestände wurde in der Blütezeit des Klosters zwischen 1740 und 1801 angeschafft.
So bietet sich ein wichtiges Dokument des barocken Sammelns im 18. Jahrhundert und der Klostergeschichte dar. Darüber hinaus ist die Sammlung ein wertvolles kultur- und naturkundliches Erbe der Region und des Landes Niederösterreich.

Alle Informationen zu Führungen finden HIER.

Schätze aus dem „Dornröschenschlaf“ erweckt!

Die Kunst- und Wunderkammer im Neukloster

Seit Anfang Mai 2017 sind die Sammlungen der Kunst- und Wunderkammer im Neukloster wieder zugänglich. In dem Raum, der bis vor zwei Jahren als Probezimmer für den Stiftschor diente, ist in historischen und modernen Vitrinen vieles von dem zu sehen, was die Mitbrüder vor allem in der Barockzeit gesammelt haben.

In vielen Klöstern und Schlössern legte man damals Sammlungen an, die durch die Verbindung von den Wundern der Schöpfung und den Werken der Kunst etwas von der Größe Gottes erkennen ließen. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Sammlung in kleinerem Umfang zu sehen, danach war sie seit über dreißig Jahren im Depot und nicht mehr zugänglich. Jetzt besteht sie wieder aus der Kunstsammlung und einer Gesteins und Muschelsammlung, für die alle historischen Schränke hergerichtet wurden. Wunderschön sind wieder Mineralien, Fossilien und Muscheln so ausgestellt und beleuchtet, wie sie im 19. Jahrhundert zusammengetragen wurden.

In der eigentlichen Kunstkammer finden wir so exotische Stücke wie eine Mumienhand und ägyptische Grabfiguren, in anderen Vitrinen chinesisches Porzellan und Türkenpfeile, Bilder aus Käferflügeln und eine „versteinerte“ Semmel.

Ganz außergewöhnlich ist das „talismanische Hemd“, ein Leinenhemd aus der Zeit der Türkenkriege, das über und über mit Koranversen beschrieben ist. Es handelt sich wohl um ein Gewandstück, das einen gläubigen moslemischen Krieger schützen sollte.

Besonders wertvoll sind Ziergefäße der Renaissance aus Elfenbein, Glas, Jaspis und Metall, die als Tafeldekoration dienten. Etliche Objekte des Museums stammen aus der Zeit, als die Habsburger regelmäßig das Neukloster besucht haben und in eigens dafür vorbereiteten Kaiserzimmern aufgenommen wurden. Dazu gehören Ölgemälde, Prunkspiegel und kaiserliche Möbel.

Hier haben wir dann auch kirchliche Kunstwerke gestellt, so den wunderschönen Festkelch des Klosters, der nur zu Ostern und Weihnachten verwendet wird und unsere große wertvolle Monstranz. Zwei Krippen, die im 17. Jahrhundert in Trapani hergestellt wurden, entzücken mit kunstvoll aus Korallen und Elfenbein geschnitzten Figuren. Auch gotische Buchmalereien und Schnitzwerke vom Berg Athos sind in den Laden zu finden.

Insgesamt bietet unsere Schau 3500 Mineralien, 200 Gemälde und 1000 andere Kunstwerke. Die Arbeiten daran begannen vor über drei Jahren und wurden von der Universität für angewandte Kunst in Wien durchgeführt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Paramentenkammer neu eingerichtet, so dass unsere wertvollen barocken Messgewänder trocken und sicher aufbewahrt werden können. Dabei sind wir den Freunden des Neuklosters für ihre finanzielle Unterstützung dankbar.

Den überwiegenden Teil finanzierte das Stift Heiligenkreuz, wertvolle Hilfe kam vom Land Niederösterreich im Rahmen der Förderung „Schätze ins Schaufenster“. Hätte es dieses Förderprogramm nicht gegeben, hätten wir wohl den Schritt nicht getan. So freuen wir uns, dass wir für die Landesausstellung 2019 einen wertvollen Programmpunkt bieten konnten.